Grünbach gehört geologisch gesehen zu den Gossaumulden, die am Beginn der Kreidezeit entstanden sind.

Durch hohe Drücke (Alpenauffaltung) und Temperaturen konnte in relativ kurzer Zeit, vor ca. 100 Mio. Jahren, Steinkohle von sehr hohem Heizwert (bis zu 6800 kCal/kg) entstehen.

Steinkohle ist im Karbon, das war vor zirka 350 Mio. Jahren, entstanden.

Die Erschließung der vierzehn Kilometer langen Flözzüge erfolgte in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts anfangs durch eine große Anzahl von selbständigen Stollenanlagen, die zusammen jedoch eine sehr geringe Gesamtproduktion erbrachte. Erst unter Miesbach und dem Schachtbau konnte die Produktion erheblich gesteigert werden.

1825 In Grünbach wird die erste Steinkohle gefunden.
Der Überlieferung nach hat sie ein Bauer beim Ackern ausgegraben und ein fahrender Schustergeselle hat erkannt, dass es Kohle ist.

1827 Eduard Wanderl beginnt im Tagbau mit 30 Mann und 7000 t jährlich.
Mit Pferden wurden die Kohle nach Urschendorf geliefert und von da von den Neustädter Fuhrleuten weitertransportiert.
Viele Investoren und Unternehmer kaufen jetzt Gruben an der Hohen Wand.

1845 - 1950 Unter A.Miesbach wurde mit den ersten zwei Schächten begonnen.
Dem Richardschacht und Segen Gottes-Schacht, je 35 m tief.
Es wurde mit Schweifhunten gefördert (Holzwagerln mit ca. 200 kg Fassungsvermögen). Diese wurden von Pferden gezogen.
Es gab noch keine Wetterführung und damit Sauerstoffmangel, kein Licht und in der warmen Jahreszeit wurde die Arbeit häufig eingestellt.

1857 Heinrich von Drasche †1880, Neffe von A.Miesbach, erbt die Grubenfelder.
Er ist der größte Gewerker Europas in seiner Zeit.

1870 - 1897 Neuer Besitzer ist die Firma Willax Lausnausky aus Wr.Neustadt.
Es wurden alle Schächte um 35 m weitergeteuft, es wurde in einer Schicht gefördert und in der übrigen Zeit weiterabgeteuft. Auch kamen nun Dampffördermaschinen zum Einsatz.

1878
Richard-Schacht mit 200m
Schacht Segen Gottes mit 120m
Josefischacht mit 180m
Die Wetterführung wurde jetzt notwendig. Dafür wurde ein tonlägiger (schräger) Schacht angelegt.

1880 erstmals bohren der Schusslöcher mit Bohrmaschinen.

1881 schwerer Brand am Richardschacht. Die Gebäude und bis 200m Tiefe war alles zerstört.
Es musste neu aufgewältigt (gebaut) werden, was 1 Jahr dauerte.

1885 Erbstollen mit 2400m wurde fertig gestellt. (für die Wasserhaltung)

1897 - 1915 Gewerke Union Berlin ist neuer Eigentümer.

1897 Schneebergbahn ist eröffnet.
Neue Impulse und Transport­möglichkeiten für die Kohle. Es wurde noch immer mit Pferden gefördert.

1899 Pressluftbetriebene Arbeits­maschinen am Richardschacht.

1907 Karbidlampen ersetzen die Rüböllampen.

1908 Benzinlokomotive anstatt der Pferde.

1910 Presslufthämmer, welche sich seit dieser Zeit nicht mehr viel geändert haben.

1913 329 m Tiefe

1915 - 1938 Firma Schöller - Mand, bekannt durch die Patronenfabrik Hirtenberg, ist neuer Besitzer.

1916 700 m tiefes Probebohrloch für neuen Schacht.

1918 erste zweitagige Förderschalen und dadurch Steigerung der Förderung von 86.000t auf 200.000 t jährlich.

1919 Es werden 30 Baracken für Arbeiterwohnungen gebaut.

1921 Stromleitung von 16 km Länge von Ternitz nach Grünbach. Ab dieser Zeit gibt es in Grünbach elektrisches Licht.

1925 Am 1. September Inbetriebnahme des neuen Schachtes.

1928 Sackstollen als Dynamitlager, Errichtung von Sicherheitsdämmen untertage, eigene Grubenfeuerwehr und Rettungsanlagen.

1929 Eigene Werksschule wurde eröffnet, die Werkszeitung wurde gegründet, sie gibt es 10 Jahre.

1930 bepflanzten Werksschüler die ausgekühlten Halden mit Föhren.

1934 zirka 600 m Tiefe erreicht.

1935 1. Mannsfahrt am Neuschacht 600 m tief, am 16.Dez.

1936 absolut höchste Fördermenge von 223.240 t mit 1062 Mann bei 326.119 Schichten.

1938 - 1946 Raubbau durch F. W. Mayer-Sirius, dem neuen Besitzer.

1939 Staublunge/Silikose, verursacht durch Nassbohrung, wird erstmals diagnostiziert.

1940 erstes europäisches Bergwerk wo die ganze Mannschaft mit Kopfleuchten ausgestattet ist.
Schwere anhaltende Gebirgsdruck­probleme im Zentralschacht. Es sind andauernd Reparaturen von Nöten.

1941 Abbau bis 700 m Tiefe

1944 Abbau bis 800 m Tiefe

1945 Kampfhandlungen bis Grünbach. Deutsche Truppen wollten das Werk sprengen, was eine kleine Gruppe Bergleute verhinderte.
Die 16 km lange Stromfreileitung von Ternitz war zerstört, die Pumpen fielen aus und der Grubenbau war bis zur 7. Sohle vernichtet.

1946 - 1955  USIA - deutsches Eigentum unter Sowjetverwaltung. Übernahme am 29. Juli. Nur 65.300 t Kohleförderung.

1947 2 Jahre es gedauert,um die Wassereinbrüche abzuteufen. Die Förderung konnte wieder auf 150.150 t gesteigert werden.
Personalhöchststand mit 1179 Mann.

1949 Berge-Seilbahn zum Richardschacht mit 30 Hunte in der Stunde.

1950 Alle Kriegsschäden waren behoben, normaler Betrieb mit 1178 Mann (74 Angestellte und 1104 Arbeiter) und 160.783 t Förderung.

1953 900 m Tiefe erreicht.

1954 Jetzt wurden auch Flöze bis 0,5 m Stärke abgebaut, die früher stehen blieben. Nach Schätzungen bemaß sich der Lagerstätteninhalt noch auf 4,5 Mio. t Kohle, womit das Bestehen des Grünbacher Kohlenwerkes auf weitere 20 Jahre gesichert erschien.

1955 Verstaatlichung und Übernahme in die ÖIAG.

1956  3% Rückgang der Fördermenge, Investitionsbedarf von 35 Mio. Schilling wurden bewilligt.

1958 Preis von Grünbacher Steinkohle liegt höher als der von importierter.

1959 Krise des Kohlebergbaues in Österreich, Deutschland und England zeichnet sich ab.

1961 Belegschaft 750 Mann und 120.000 t Jahresförderung.

1963 Belegschaft 680 Mann.
Grünbach fördert 95,6% der österr. Steinkohle. EineBlasversatzanlage wurde in Betrieb genommen.
In der Hauptförderungsstrecke wurde der Holzbau durch Stahlausbau ersetzt.
Die Fördermittel wurden erneuert und die Stromversorgungsanalgen auf den Stand der Technik gebracht.
Die Grubenwehr erhielt moderne Atemschutzgeräte. Sämtliche im Tiefbau arbeitenden Bergleute sind mit CO-Filter-Selbstrettern ausgestattet.

1964 Sonderinvestitionsprogramm ist abgeschlossen.
580 Mann, 1142 m Tiefe, 62% der Arbeiter sind Grünbacher.

1965  24.2.  schweres Grubenunglück in 1100 m Tiefe.
Ein Schrägstollen war auf 25 Meter eingebrochen. 2 Kumpeln konnten nach 70 Stunden nur mehr tot geborgen werden. Es waren 50 Mann Grubenwehr im Einsatz.

1965   9.7.  1000 Bergleute und ihre Familien protestieren gegen eine sofortige Schließung.

1965  17.9.  Liquidation wird mir 1. Oktober festgelegt.
Den Bergmännern wurden allerlei Versprechen gemacht. Die Kumpel wollten Garantien. Als die nicht kamen, gab es den der erste Untertage-Streik. 191 Kumpeln streiken 9 1/2 Stunden unter Tag, mit Erfolg.

1965  30.9.  letzte Schicht.

1965  1.10.  Beginn mit der Liquidation.

1965  2.10.  letzter tödlicher Unfall bei den Abbrucharbeiten.

vom Rechnungshof: Wenn jeder Arbeiter 3000.- Schilling monatlich Pension bekäme, wäre das billiger als den Betrieb aufrecht zu erhalten.

in fünf Jahren 73 Mio. Schilling Verlust.

Was kostet was:

Still-Legung und Konkurs

      

80 Mio.

Auslaufen in 3 Jahren

      

164 Mio.

Fortführung bis 1970

      

285 Mio.

Fortführung bis 1979

      

446 Mio.

Es wurde unbehandeltes Holz verwendet, das 3 mal schneller ersetzt werden musste.

Hunte hatten ein Fassungsvermögen von 720 l (~½ t)

Pro Tonne geförderter Kohle mussten 16 Kubikmeter Wasser gehoben werden.

Der Untertagbau bestand aus verschiedenen Etagen, die man Horizonte nennt, die durch den Schacht mit der Förderschale zu erreichen sind. Bis zum 6. Horizont durch den Hauptschacht, danach musste man zu einem Zentralstapelschacht wechseln. Die Förderschale ist als Aufzug zu verstehen.

Die Horizonte haben unterschiedliche Abstände:

3-4, 4-5

      

70 m

5-6

      

90 m

6-7, 7-8, 8-9

      

120 m

Horizonte sind unterirdische Gänge in gleicher Tiefe, die zusätzlich zum Hauptschacht auch an anderen Stellen verbunden sind, nämlich mit Stapelschächten (Blinschächte und „tonlägige Schächte“).

Untertag-Arbeitsweise

Um tiefer gelegen Lagerstätten zu erschließen, wird ein Schacht geschlagen, welcher einen Betonausbau oder eine Holverzimmerung erhält.

Schusslöcher werden in die Sohle mit einem pressluftbetriebenen Hohlbohrer gebohrt. Gefüllt mit dem Sprengmittel Gelantine wird das Erdreich durch die Explosionen gelockert und mit großen Kübeln abtransportiert. Der gewonnene Hohlraum wird dann nachgeputzt und ausgebaut. (Die Sohle ist die untere Begrenzung zum Boden.)

Die gewünschte Tiefe erreicht, wird rund um den Schacht ein Hohlraum „Das Füllort“ ausgebrochen und es werden dort alle notwendigen Installationen eingebaut.

Wonach mit dem Querschlag begonnen wird, einem horizontaler Stollen der durch taubes Gestein führt. Die Arbeit ähnelt dem Schachtbau, nur eben waagrecht und es wird mit Holz gezimmert.

Auf der Sohle des Querschlags werden die Wassersaige (Rinnen) und die Schienen für die Bahn angelegt. Am First (obere Begrenzung) laufen die Kabel, Pressluftleitungen und Lüftungslutten.

Kommt man im Querschlag zu Kohleflözen werden die nach dem selben Prinzip abgebaut aber eben entsprechend dem Kohlelauf.

Bei fester Kohle wurde geschossen, sonst mit Abbauhämmern unter 6 atü Pressluft abgebaut. Die Pressluftleitungen wurden unter den Firsten zu den Abbauorten geführt und von dort mit einer beweglichen Verbindung zu den Schrämhämmern.

Kohle wird von der unteren Sohle nach oben abgebaut. Bei Neigung von 40° bedarf es keiner Einrichtung, da die abgebaute Kohle von selber runter rutscht. Bei weniger als 40° helfen Emailrutschen, bei Bedarf mit Pressluftschüttlern. Daneben ist noch Platz zum Gehen. Alle Abbauorte werden ordnungsgemäß mit Holz verzimmert.

Am Abbauort wird die Kohle händisch in die Hunte verladen und von dort händisch zu den Motorstrecken geschoben. Weiters mit der Diesellok in Zügen von 10 bis 20 Hunten zu den Stapel­schächten gefahren, in der Hauptförder­strecke hochgezogen. Von dort wird die Kohle in Zügen mit Pressluftloks und 40 bis 50 Hunten zum Hauptschacht gefahren und dann zu Tage gefördert.

Obertag kommen die Hunte in die Hängebank. Dort wird die Kohle in die Kohlenwipper geleert und somit in die Sortieranlagen. Es wird händisch und maschinell sortiert.

Das taube Gestein das nicht untertage versetzt (gelagert) werden kann, wird ebenfalls zu Tage gefördert und auf Bergehalden angehäuft.

Der Vortrieb beträgt in den letzten Jahren pro Tag 2 bis 2,5 Meter in zwei Schichten.
Bei der ersten wurde geschossen (gesprengt) und sozusagen vorbereitet, die zweite Schicht schrämte und förderte Kohle.

Die Nachtschicht diente der Instandhaltung und den Reparatur­arbeiten, es war eine fixe Partie von Professionisten der verschiedenen Berufsgruppen.

Karriere und Positionen der Bergmänner

Es mussten für alle Sparten Prüfungen abgelegt werden.

● Säuberer: Immer mit einem Hauer zusammen. Er erhält 60% vom Hauerlohn.

● Förderer: Abtransport der Kohle. Bezahlt wird er pro Hunt oder mit 80% des Hauerlohns. Ab einem Alter von 18 Jahren.

● Hauer: Arbeit im Akkord (Entlohnung nach Leistung). Den Satz bestimmt der Reviersteiger. Er benötigt eine Prüfung. Bei genügend Erfahrung, Aufstieg zum

● Schuss- oder Wettermann

● Oberhauer: Aufseher oder Steiger.
Ihm obliegt die Arbeitsaufsicht.

● Obersteiger, Reviersteiger, Schichtmeister: Teilen die Arbeit ein, nehmen das Gedinge ab und führen die Verrechnung.

● Schlosser, Haspelführer, Pumpenwärter, Einschieber, Lokführer: Spezialisten für Untertag mit Qualifikationsprüfungen.

● Obertagpersonal und
Handels­angestellte:      Büro

Akademiker

● Grubeningenieure: Sicherheitswesen und Aufschlussarbeiten.

● Markscheider: Vermessungsarbeiten zur Geodäsie, Anlegen von Grubenkarten (hatten Gehilfen).

● Bergdirektor, Berginspektor:
        Betriebsleiter, Führungsstab.

alles über das Museum

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